Daily Archive for Mai 18th, 2007

Gebet erleben

In meinem letzten Beitrag hatte ich ja schon kurz erwähnt, dass auch bei uns in Ettlingen JesusHouse stattfand.
Da ich jetzt auch etwas mehr Zeit dazu habe, möchte ich an dieser Stelle auch noch einen kurzen Gedanken dazu loswerden:

Speziell in der Woche von JesusHouse, aber auch schon in den Wochen davor, ist mir nämlich eines bewusst geworden, und zwar, wie erlebnisgeil wir Menschen doch geworden sind, und dabei wichtige Dinge vernachlässigen!

Was ich damit meine? Mir ist das an einem Beispiel ganz besonders bewusst geworden. Die einzelnen Gebetskreise in den Wochen vor JesusHouse waren sehr schlecht besucht, und auch während den Abenden fanden sich nie mehr als maximal 5 Leute, die während der Veranstaltung draussen gebetet haben.

Ich muss mir da auch an die eigene Nase fassen, weil auch ich nur an einem der 4 Abende, an denen ich selbst da war, draussen zum beten war.
Ich konnte das an mir selbst beobachten, dass ich mich lieber durch das Programm und die Übertragung unterhalten liess, als draussen selbst für die Teilnehmer zu beten.

Die Frage ist doch: Was machen bekehrte Christen auf einer Evangelisationsveranstaltung, wenn sie nicht selbst direkt mitarbeiten oder mit einem ungläubigem Freund oder einer Freundin da sind?
Und ich glaube schon, dass bei uns mehr Christen als Nicht-Christen im Saal saßen.

Ich möchte das an dieser Stelle nicht pauschalisieren oder sonst irgendwie verurteilen, da ich keinem den Besuch einer Evangelisation verbieten möchte, aber es lohnt sich auf jeden Fall mal darüber nachzudenken, wieso wir uns lieber unterhalten lassen, anstatt selbst aktiv zu werden.

Wieso sind wir so scharf auf sogenannte Erlebnisgottesdienste?

Ich denke das hat schon auch was mit der Entwicklung unserer Gesellschaft zu tun. Wenn man sich hier in Karlsruhe umsieht, dann sieht man ständig nur noch Menschen mit Kopfhörern im Ohr oder Handys am Ohr.

Es scheint als könnten wir die Stille oder das Nichtstun nicht mehr ertragen.

Aber müssen wir Christen da wirklich mitziehen?

Wieso sind dagegen unsere Gebetsversammlungen so schlecht besucht?

Liegt es an unfähigen Leitern, wie vielleicht C.G. Finney sagen würde? Oder unterschätzen wir die Wirksamkeit des Gebets?
Vielleicht ist der Grund auch, dass ich beim Gebet selbst aktiv sein muss, und mich nicht unterhalten lassen kann?
Eine Gebetsversammlung ist sicherlich auch nicht so attraktiv wie ein Lobpreisgottesdienst, aber beides muss vorhanden sein!

Kumpel Arne hat mir letztens von einer Dreiecksbeziehung des Menschen erzählt, mit den drei Eckpunkten nach Aussen (zu den Nicht-Christen; zur Welt), nach Oben (zu Gott) und nach Innen (zur Gemeinde).
Und bei diesen drei Punkten müssen wir uns im Gleichgewicht befinden, d.h. keiner der drei Eckpunkte darf vernachlässigt werden.
Mir fällt dabei gerade auf, dass das Gebet sogar immer gleich zwei dieser Eckpunkte miteinbezieht (entweder bete ich für die Welt (Aussen) oder für meine Gemeinde (Innen), aber immer bete ich dabei zu Gott(Oben)).

Es kann einem ja schon zu denken geben, wenn man in der Apostelgeschichte liest, dass die Apostel sogar extra neue Verantwortliche für die Diakonie berufen hatten, nur damit sie selbst nicht das Gebet vernachlässigten (Apg 6, Vers 4: Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.)!

Oder wie sehr halten wir die Aussagen von Jakobus “Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten.” für wahr?

Vielleicht brauchen wir uns nicht darüber wundern, dass sich heute vergleichsweise wenige Menschen bei JesusHouse zu Gott umkehren, wenn wir so wenig dafür beten?

An dieser Stelle aber noch einmal der Hinweis, dass ich hier niemanden verurteilen möchte oder pauschalisieren möchte, sondern ich möchte einfach wieder nur zum Nachdenken anregen.

Vielleicht muss uns das Gebet auch einfach neu schmackhaft gemacht werden, bzw. an unsere heutige Zeit angepasst werden?
Aber dazu bin ich selbst vielleicht zu konserativ. Das wäre eher eine Sache für meinen Freund Arne.

Ich denke es ist immer gut und wichtig, sich selbst zu hinterfragen.

Prüft alles und behaltet das Gute!