Monthly Archive for Februar, 2008

Was soll Jesus für dich tun?

Nachdem mein vorheriger Eintrag vielleicht etwas zu einseitig war, möchte ich heute einen Ausschnitt aus dem Andachtsbuch “Mein Äußerstes für mein Höchstes” von Oswald Chambers für den 29. Februar posten:

Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen kann.
Lukas 18,41

Gibt es etwas in deinem Leben, was nicht nur dich stört, sondern womit du auch anderen zur Last fällst? Wenn ja, dann ist es immer etwas, was du selbst nicht in der Gewalt hast.[...]

Sei so lange aufdringlich, bis du Jesus selbst gegenüberstehst. Mache nicht die Vernunft zum Gott. Wenn wir still abwarten, anstatt unser Problem zu benennen, vergöttern wir damit nur unsere Vernunft. Wenn Jesus dich fragt, was du willst, dass er in deiner unvorstellbar schwierigen Lage für dich tun soll, dann vergiss nicht, dass er nicht “vernünftig”, sondern immer übernatürlich handelt.
Es ist bemerkenswert, wie sehr wir Gott festlegen, indem wir uns nur das merken, was wir ihm früher schon erlaubt haben für uns zu tun.[...]

Die Folge ist, dass wir nicht den Mut haben, um das zu bitten, was wir uns wirklich wünschen. Stattdessen finden wir es lächerlich, Gott um so etwas zu bitten. Wenn es unmöglich ist, ist es genau das, worum wir bitten müssen.[...]
Und Gott will das tun, was völlig unmöglich ist.[...]

Unsere Zerissenheit ist nur die Folge unseres eigenen Widerstandes gegen eine klare Entscheidung. Wir wollen nicht glauben; wir wollen nicht loslassen und das Seil durchtrennen, das das Boot an der Küste festhält – lieber kämpfen wir mit Schwierigkeiten.

Irgendwie zeigt mir dieser Text, dass Glaube kein einseitiges Thema ist bzw. das wir Gott in keine Schublade unseres Verstandes stecken können.

Es gibt Situationen, die mit eigener Kraft nicht ändern kann und die auch Gott nicht ändern mag. Dann will ich lernen damit zufrieden zu sein, weil ich weiss dass Gott mich trotzdem liebt und nur die besten Absichten mit mir hat.

Andererseits möchte ich nicht aufhören Gott zu suchen und ihn solange zu bestürmen bis er meine Situation ändert oder ich zumindest Antworten auf meine Fragen habe.

Ein Widerspruch?

Zufrieden?!

Ich habe jetzt eine Weile nicht mehr geschrieben, was daran liegt dass es mir momentan sehr schwer fällt meine Gedanken richtig zu fassen. Auch jetzt weiß ich überhaupt nicht wo und wie ich anfangen soll.

Was mich zurzeit beschäftigt ist die Tatsache, dass wir immer unzufrieden sind mit dem was wir haben. Wir glauben das alles besser wäre wenn sich nur das und das ändern würde. Doch wenn wir einmal ganz genau aufpassen merken wir das das überhaupt nicht stimmt.

Bis Ende des Jahres befand sich mein Arbeitgeber ca. 10 Min von meiner Haustür entfernt. Doch schon damals empfand ich diese kurze Strecke manchmal als anstrengend und ich hätte mir gewünscht das es anders wäre. Seit Dezember nun ist mein Arbeitgeber umgezogen und ich habe morgens eine Fahrtzeit von über 30 Min. Jetzt würde ich mir wünschen das mein Arbeitgeber doch nicht umgezogen wäre. Damals war doch alles so einfach.

Mein Bruder wünscht sich das er weniger arbeiten müsste. Ich wünsche mir das ich mehr arbeiten könnte. Der Eine wünscht sich nichts mehr als eine Frau, der Andere wünscht sich nichts mehr als seine Frau loszuwerden.

Der Punkt ist, dass wir nie zufrieden sind mit dem was wir haben. Und daraus resultiert eine kronische (innere) Unzufriedenheit.

Noch schlimmer wird es dann, wenn ich diesen Anspruch, alles muss anders und damit besser werden, auch auf meine Beziehung zu Jesus übertrage.

Dann glaube ich auch, dass zwischen Jesus und mir alles anders und immer besser werden muss. Jesus verlangt von mir das ich meine Beziehung zu ihm ständig verbessere, indem ich mehr und effektiver bete, mehr und effektiver Bibellese, mehr und effektiver Zeugnis gebe usw.

Wenn ich mit mir selbst unzufrieden bin, dann bin ich der Meinung das auch Jesus mit mir unzufrieden ist.

Aber das stimmt nicht!

Ich kann Jesus nicht beeindrucken, er ist schon beeindruckt.

Ich kann Jesus durch mein Verhalten traurig machen, weil ich seine Liebe dadurch ablehne, aber das ist etwas anderes als Unzufriedenheit.

Es geht darum, dass ich wirklich eine persönliche Beziehung zu Jesus habe. Gebet, Bibellesen, Gottesdienst sind kein Selbstzweck sondern haben alle nur das eine Ziel: Die Gemeinschaft, die persönliche Beziehung zu Jesus zu vertiefen.

Es geht auch darum zu erkennen was mir Jesus schon alles geschenkt hat.

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.Epheser 1,3

Es geht darum zu lernen mit dem zufrieden zu sein was ich habe und daraus dann das Beste zu machen.

Ich sage das nicht, weil ich etwa Mangel leide. Denn ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden: Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung. Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt. Philipper 4, 11-13

Ich kann meine Situation oft nicht ändern, und wenn doch, dann heisst das nicht, dass es dadurch unbedingt besser werden muss.

Auf storchs Blog habe ich vor einiger Zeit ein Zitat gelesen, dass mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist:

Die grösste Entdeckung meiner Zeit ist, dass ein Mensch sein Leben ändern kann indem er einfach seine Einstellung ändert. (William James)

Und darum geht es doch. Das ich in der Situation meine Einstellung ändere, dass ich zufrieden bin mit dem was ich habe und das ich in der jeweiligen Situation immer in der Gemeinschaft mit Jesus lebe.

Über Kommentare bin ich dankbar.

Reagieren oder Handeln

Ich mache die Beobachtung, dass ich in (oder auf) bestimmten Situationen nur reagiere anstatt zu handeln.
Es ist ein Unterschied, ob ich auf die Gegebenheiten in meinem Umfeld nur entsprechend reagiere (bewusst oder unbewusst), oder ob ich selbstständig darin handle.
Wenn ich reagiere, dann passe ich mich meiner Umgebung meistens nur an und reagiere dann so wie ich meine das man es von mir verlangt bzw. wie es in dieser Situation meiner Meinung nach am passendsten ist. Dann werde ich von meinem Umfeld geprägt und bin dabei nicht mehr eigenständig.

Wenn ich handle, dann nehme ich mein Umfeld zwar war, reagiere darauf aber nicht so wie ich meine reagieren zu müssen, sondern handle eigenständig und aus meiner „Mitte“ heraus.
Aus der „Mitte“ heraus zu handeln heisst für mich aus Gott heraus zu handeln. Ich weiß wer ich in Gottes Augen bin, habe meinen Standpunkt in Gott und lebe mein Leben nach seinen Maßstäben, nur ihm gegenüber verantwortlich.

Es fällt mir schwer diesen Unterschied einfacher zu erklären, vorallem weil jemand anderes an dieses Thema (gedanklich) von einer ganz anderen Seite heran geht. Vielleicht hilft ein praktisches Beispiel, um den Unterschied zwischen „Reagieren“ und „Handeln“ zu veranschaulichen:

Wenn ich in die Strassenbahn einsteige und dort auf ein schönes Mädchen treffe, dann kann ich entweder
in den Reaktionsmodus schalten und versuchen mich dann so zu verhalten wie ich meine möglichst cool zu erscheinen oder wie ich anderweitig ihre Aufmerksamkeit auf mich ziehen kann. Meine Reaktion hängt davon ab was ich mir für solche Situationen antrainiert habe bzw. bei anderen abgeschaut / gelernt habe.
der Handlungsmodus würde bedeuten, dass ich in so einer Situation völlig individuell handle und mich von meiner Umgebung nicht beeinflussen lasse.
Ich lebe dabei nicht aus meinen Erfahrungen sondern handle intuitiv. Der Vorteil dabei ist, dass ich mir nicht ständig Gedanken darüber machen muss, ob ich mich jetzt der Situation entsprechend richtig verhalte und wie mein Umfeld darauf reagiert.

Es ist klar, dass es bei so einem Denken natürlich auch auf meine Motive ankommt von denen ich mich leiten lasse.
Handle ich aus Liebe, dann werde ich niemals so handeln, dass mein Gegenüber darunter leiden muss oder von mir ausgenutzt wird.

Wenn wir in die Evangelien schauen, dann sehen wir das Jesus in jeder Situation gehandelt hat, aber immer aus Liebe. Er hatte sein Herz ganz dem Willen Gottes verschrieben. Er hat sich nie so seiner Umgebung angepasst das er sein Handeln und Reden so von seiner Umgebung abhängig gemacht hat und so gepredigt hat, wie er meinte das seine Umgebung es gerne gehört hätte.

Rede ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich allerdings den Menschen noch gefällig wäre, so wäre ich nicht ein Knecht des Christus.
Galater 1,10

Beziehungsunfaehig?!

Ich habe schon längere Zeit darüber nachgedacht, was sexuelle Selbstbefriedigung eigentlich für Spätfolgen haben könnte.

Heute morgen, keine Minute nach dem ich aus dem Bett gestiegen war, ist mir mit einem mal bewusst geworden, dass ich schon mitten in den Folgen stecke (fragt mich nicht wieso mir das ausgerechnet morgens um 6.31 Uhr bewusst wird, aber es war so)!

Das Anschauen von Pornographie ist nur eine Art der Selbstbefriedigung neben 100 anderen. Der oder die eine befriedigt sich mit Essen, der oder die Nächste wiederrum mit übermäßig viel Fernsehen oder DVD, Sport usw.

Die sexuelle Selbstbefriedigung ist dabei vielleicht nur die intensivste Form der Selbstbefriedigung und damit die offensichtlichste.

Die Ursache für Selbstbefriedung aller Art ist immer Einsamkeit.

Ich nehme dieses Gefühl zum ersten Mal war und ich weiss nicht wie ich damit umgehen soll. Ich empfinde es als äußerstes unangenehm, also versuche ich davor zu fliehen oder es zu betäuben. Dies geschieht durch Essen, durch Pornographie, durch Arbeit usw.
Mit der Zeit lerne ich immer besser meine Einsamkeit zu unterdrücken, zu betäuben oder ihr zu entfliehen. Dies äußert sich dann eben in bestimmten Symptomen (sexuelle Selbstbefriedigung ist nur eines davon). Aber ich schaffe es nie, der Einsamkeit ganz zu entkommen oder sie für immer ruhig zu stellen. Sie bleibt immer ein Teil von mir und macht sich dann und wann wieder unangenehm bemerkbar.

Wieso aber der Titel „Beziehungsunfähig“?

Ich habe festgestellt, dass sich diese Art der „Konfliktbewältigung“ auch in unseren Beziehungen zeigt und wir dadurch ein Stück beziehungsunfähig werden. Gerade auch die sexuelle Selbstbefriedigung.
Wenn ich immer wenn die Einsamkeit in mir hoch kommt diese schnellst möglich befriedigen und damit betäuben möchte, dann werde ich diese Befriedigung auch immer ein stückweit in Beziehungen suchen. Dann werde ich verzweifeln, wenn mein Gegenüber mir nicht das gibt was ich möchte.

Am stärksten äußert sich dies vielleicht in meinem Wunsch nach Partnerschaft, weil ich der Meinung bin, dass ich dort meine Einsamkeit am vollkommensten kompensieren kann, da diese ja sehr intensiv ist.

Eine Zeit lang gelingt es mir vielleicht aber auch meinen Wunsch nach einer Partnerschaft (und damit meine Einsamkeit) zu unterdrücken bzw. ich lebe diesen Wunsch unbewusst in meinem Alltag aus, habe aber keinen gesunden Umgang damit.

Sobald aber die Hoffnung oder Aussicht besteht meine Einsamkeit in Form eines Partners endlich umfassend und intensiv befriedigen zu können, verkrampfe ich innerlich total, weil ich diese Chance ja auf keinen Fall versemmeln will. Leider ist das dann meistens genau der Fall. Dann fühle ich mich noch einsamer als zuvor, werde noch unsicherer und verliere eine zeitlang wieder alle Hoffnung.

Wie soll ich denn nun mit meiner Einsamkeit umgehen?

Der erste Schritt ist immer die Erkenntnis das ich überhaupt einsam bin. Ich kann darüber nachdenken und dabei den Heiligen Geist um Erkenntnis bitten.
Allein schon dieses Erkennen meiner Einsamkeit und meiner Verhaltensweisen nimmt eine große Last von mir.

Ich darf wissen, dass Gott mir ganz nahe ist und das er mir helfen will den richtigen Umgang mit meiner Einsamkeit und mit meinen Gefühlen zu lernen.

Doch dafür muss ich damit aufhören meine Einsamkeit und meine Bedürfnisse selbst befriedigen zu wollen, weil das doch nur ein Fass ohne Boden ist und letztendlich keine Befriedigung bringt.

Wenn Gott sagt, dass wir uns nicht selbst befriedigen sollen, dann ist dieses Gebot nicht nur einfach willkürlich aufgestellt, sondern zeugt bei genauer Betrachtung von ganz großer Liebe.
Gott sagt, dass wir uns nicht selbst und damit unvollkommen befriedigen sollen, sondern das er uns in seiner selbstlosen Liebe etwas viel größeres schenken möchte: Sich selbst.
Er selbst will jedem einzelnen Menschen ganz nah sein und dessen Herz mit seiner Liebe vollkommen und für immer ausfüllen.

Es wird immer wieder nötig sein sich in der Anfechtung an diese Wahrheit zu erinneren, gerade dann wenn ich wieder versucht bin meine Einsamkeit doch selbst zu befriedigen, aber nur so kann meine innere Heilung und damit meine Beziehungsfähigkeit wachsen.