Gedanken zerlegen
Irgendwie erscheint mir dieser Blog schizophren. Ich kann mich nie entscheiden, für welche “Zielgruppe” ich nun schreiben möchte.
Es gibt so Abende, da setze ich mich manchmal hin und analysiere einen einzelnen Gedanken (eine Vorstellung / Annahme), den ich schon länger mit mir herumtrage, aber noch nie so richtig hinterfragt habe.
Man könnte auch sagen, ich meditiere über einem Gedanken.
Das sieht dann so aus, dass ich mir einen Stift und ein Blatt Papier nehme, und dann einfach meine Gedanken, meistens in Form von Fragen und kurzen Antworten, niederschreibe.
Das empfinde ich immer als sehr produktiv.
Zur Zeit habe ich auf der Arbeit mal wieder etwas weniger zu tun.
Wenn ich nichts zu tun habe, verbringe ich die meiste Zeit damit, im Internet zu surfen, so dass ich deswegen Abends immer etwas unzufrieden nach hause gehe.
Ich mache mir dann immer Vorwürfe, dass ich den Tag ja besser hätte nutzen können.
“Man, war ich wieder egoistisch! Ich hab wieder nur an mich und mein Vergnügen gedacht. Und Jesus hat heute auch wieder kaum eine Rolle in meinem Alltag gespielt!”
Der Gedanke ist dann, was muss ich tun, um Gottes Power in meinem Alltag zu erleben?
Meine Gedanken haben sich dann aber irgendwie in eine ganz andere Richtung entwickelt.
Warum möchte ich Gottes Handeln so deutlich in meinem Alltag erleben? Was sind denn wirklich die Gründe?
Irgendwie kam ich dann darauf, dass ein Grund dafür eigentlich nur eine Bestätigung wäre, dass ich selbst richtig liege.
D.h., dass es mir garnicht um Gott oder meinen Mitmenschen geht, sondern ich eigentlich nur Gewissheit möchte das ich den richtigen Weg gehe, dass Gott mit mir zufrieden ist.
Irgendwie ist das das gleiche, wie wenn ich anhand der Besucherzahlen meines Blogs entscheiden würde, ob mein Blog jetzt jesusmäßig ist oder nicht?
Können Statistiken in so einem Fall als Bewertungsgrundlage dienen?
Erlebe ich weniger von Gott, wenn meine Einstellung die falsch ist? Vielleicht.
Wo bleibt da der Glaube daran, dass Jesus durch sein Opfer schon alles dafür getan hat, dass Gott mit mir zufrieden sein kann?
Offensichtlich liegt hier ein Mangel an Gotteserkenntnis vor. Wie Gott wirklich ist.
Wo bleibt da eigene Zurückhaltung, Bescheidenheit (Demut)?
Wenn es mir nur um Bestätigung meines Weges geht, dann ist das kein Eifer für Gott und Mitmenschen, sondern nur die Suche nach Selbstbestätigung.
Das klingt sehr negativ und verurteilend, doch das soll es garnicht sein. Es geht mir hier, wie gesagt, nur darum, eigene Ansichten und Annahmen in seine Einzelteile aufzuschlüsseln, um sie dann vielleicht wieder neu zusammenzusetzen. Manches fällt dabei vielleicht ganz weg, anderes wird einfach neu verwendet.
Eine weitere Frage war dann, wem ich mit dieser Suche nach Bestätigung etwas beweisen möchte?
Mir selbst? Das ich, mit dem eingeschlagenen Weg an Jesus zu glauben, richtig liege? Bestimmt.
Meinen Bekannten? Als ich in diese Richtung gedacht habe, habe ich im ersten Moment überhaupt keinen inneren Widerstand empfunden. Also dachte ich, dass das wohl nichts damit zu tun hat. Aber vielleicht habe ich diese Gefühle auch nur schon sehr weit verdrängt?
Irgendwie hat doch jeder Mensch das Bedürfnis anderen Menschen gefallen zu wollen. Und wir können es nicht leiden, wenn andere Menschen unseren Lebenstil bewerten bzw. kritisieren.
Mir geht es z.B. auf die Nerven, wenn meine Kollegin Mittags ein Kommentar zu meinen Sandwiches abgeben muss.
Wieso? Ich weiss ja selber das die ungesund sind! Zumindest bin ich mir nicht so sicher ob die meiner Verdauung jetzt gut tun oder nicht…
Ich bin mir also meiner Sache nicht so sicher und möchte dafür nicht auch noch kritisiert werden bzw. eine Bestätigung bekommen, dass ich in den Augen meiner Mitmenschen etwas “falsch” mache.
Und genauso würde ein fettes Wunder Gottes in meinem Alltag eben auch jedem beweisen, dass mein Gott eben tatsächlich lebt, und ich nicht nur einem Hirngespinst nachjage.
Ich sage damit nicht, dass diese Einstellung jetzt falsch ist. Natürlich darf ich Gottes Wunder in meinem Alltag erwarten, und natürlich würden diese dann wohl auch beweisen, dass mein Gott tatsächlich existiert.
Wie gesagt, ich zerlege einen Gedanken nur in seine Einzelteile.
Was wäre nun ein nächster Schritt? Nun, 1. nehme ich mancher dieser Einzelteile mit ins Gespräch mit Gott und bitte im um Hilfe, wie ich diese wieder neu zusammenzusetzen kann. Vielleicht schenkt Gott mir ja auch neue Bauteile.
2. ist es auch immer hilfreich, diese einzelnen Gedanken mit Stellen in der Bibel zu vergleichen. Wie haben Leute aus der Bibel reagiert? Finden sich praktische Beispiele dazu?
Jepp, das ist erst ein Mal genug Stoff für die nächste Zeit.
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