Das Eis durchbrechen

Ich habe letzten Sonntag während dem Gottesdienst ein Bild bekommen, was mich thematisch auch schon längere Zeit beschäftigt. Es war das erste Mal, dass ich so eindrücklich ein Bild vor Augen hatte. Mehr davon Jesus!

Ich lag auf einem großen vereisten See. Das Eis war dabei nicht wirklich dick, aber gerade dick genug um nicht einzubrechen. Das Eis stand dabei für alle die religiösen/christlichen Methoden, die wir “verselbstständigt” haben, d.h. die zum Selbstzweck / eigenständig geworden sind. Und unter dem Eis befand sich tiefes, warmes Wasser. Dieses Wasser beschreibt die Fülle Gottes, das Leben in Fülle, dass Jesus seinen Kindern hier auf Erden versprochen hat.

Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Johannes 10,10

Anstatt aber in diese Fülle einzutauchen und in ihr zu leben, bleiben wir auf der Oberfläche, dem Eis, liegen.

Wir üben uns in religiösen Methoden, die wir fleissig einstudiert haben. Diese Methoden sind Gebet, Gottesdienstbesuch, Bibellesen usw. Je nach dem wieviel Disziplin oder wieviel Motivation wir haben, gelingt das dem einen besser und dem anderen schlechter. Irgendwann ist es nur noch Routine und die routinemäßigen, religiösen Aufgaben laufen fast von allein.

Manch einer dreht dabei noch stolz seine Piroutten auf dem Eis und freut sich darüber, wie sehr er diese doch drauf hat, wie diszipliniert er doch seine Gebetszeiten einhält, wie regelmäßig er in den Gottesdienst kommt und wo er überall mitarbeitet. Und die anderen spenden ihm dafür noch Beifall!

Er lehrte sie und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßt, und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben. Sie bringen die Witwen um ihre Häuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Aber um so härter wird das Urteil sein, das sie erwartet. Markus 12, 38-40

Diese Sachen ansich sind ja nicht schlecht, unser Problem ist eben nur, dass wir sie losgelöst von der Quelle ausüben und sie damit oberflächlich und leblos sind. All diese Sachen sind doch kein Selbstzweck und eigenständig zu betrachten, sondern sie dienen alle allein dazu unsere persönliche Beziehung zu Jesus zu vertiefen, tiefe Gemeinschaft mit Jesus zu haben, ihn besser kennenzulernen!

Wenn ich bete, nur weil man als guter Christ eben regelmäßig betet, dann bleibt mein Gebet oberflächlich und leblos und wird auf die Dauer richtig anstrengend. Das gleiche passiert mit dem Bibellesen. Den Hauskreis- und Gottesdienstbesuch kriege ich gerade noch so hin.

Beide Termine sind ja auch nur einmal in der Woche. Und außerdem würden die anderen dann ja sehr schnell merken, dass da wohl irgend etwas nicht stimmt, wenn ich bei diesen regelmäßigen Veranstaltungen fern bleibe. Gebet und Bibellesen bleibt ja meine Privatsache und es interessiert ja auch nicht wirklich jemanden, ob ich das überhaupt mache und wenn nicht, wieso nicht. Es will ja keiner “gesetzlich” wirken oder sein Gegenüber unter Druck setzen!

Den Eindruck, den so ein (religiöses) Christsein an Außenstehende vermittelt ist, dass Christsein wohl nur aus einer Menge Regeln besteht, die es einzuhalten gilt.Doch haben die Menschen nicht schon genug Stress mit ihrem eigenen Leben? Wieso soll ich da meinen Stress noch vergrößern, indem ich mir noch mehr Ge- und Verbote auflade? Nein Danke! Der ein oder andere bekehrt sich dann vielleicht doch aus Angst, weil er ja ohne Gott in die Hölle kommt.

Irgendwann bin ich dann doch mal so ehrlich und mutig, und frage mich was das eigentlich alles eigentlich noch bringt?

Soll das wirklich alles sein? So habe ich mir das Christsein dann aber doch nicht vorgestellt.

Ich erlebe in meinem Alltag kaum etwas mit Jesus, und wenn ich ehrlich bin unterscheidet sich mein Leben eigentlich nicht groß von dem meiner “nicht-gläubigen” Freunde.

Ich habe am Anfang ja wirklich versucht ein guter Christ zu sein, aber ich bin immer wieder an mir selbst gescheitert.

Wo ist das siegreiche Leben, dass Jesus mir verspricht? Wo erlebe ich Jesus noch in meinem Alltag?

Jesus antwortete ihnen: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, dann werdet ihr nicht nur das vollbringen, was ich mit dem Feigenbaum getan habe; selbst wenn ihr zu diesem Berg sagt: Heb dich empor und stürz dich ins Meer!, wird es geschehen. Matthäus 21,21

Wie schaffe ich es nun, dass Jesus in meinem Alltag durchbricht bzw. ich in die “Gottesfülle”, in ein erfülltes Leben durchbreche?

Wie ich schon geschrieben habe, resultiert diese Oberflächlichkeit in unserer Gottesbeziehung wohl darin, dass wir nur noch nach Methoden und Regeln leben.

Wenn ich bete nur weil man als guter Christ eben betet und dabei das Gebet verselbstständige werde ich nie in die Fülle Gottes durchbrechen. Dann bleibe ich auf meinen eisigen, oberflächlichen Methoden und Formen liegen und erfriere geistlich.

Ich möchte alle Methoden und Formen beiseite lassen und nur noch Jesus kennenlernen!

Ihn allein!

Was heisst es denn eine persönliche Beziehung zu Gott zu haben?

Sieht eine persönliche Beziehung zu Jesus wirklich so aus, dass ich zwar bibellese dabei aber nur Zeit mit einem Buch verbringe?

Sagen wir ich möchte Zeit mit meiner Freundin beim Essen verbringen, dann sollte das Essen nur den Rahmen für die Zeit mit meiner Freundin bilden. Es geht schließlich um meine Freundin und nicht um das Essen.

Wenn es mir nur um das Essen gehen würde und nicht mehr um die Beziehung zu meiner Freundin, dann wäre das Ganze sehr oberflächlich und leblos.

Mit dem Essen kann ich keine Beziehung führen und es gibt mir auch keine Antwort auf meine Fragen.

Genauso sollten Bibellesen, Gebet, Gottesdienstbesuch usw. nur Mittel zum Zweck sein, um dadurch tiefe Gemeinschaft mit Jesus zu haben.

Schneide doch wirklich mal all diese Formen und Methoden ab und konzentriere dich nur darauf Jesus besser kennenzulernen! Lass einmal alles andere beseite. Bete nicht nur, weil man eben betet oder du von Jesus etwas haben willst, sondern versuche einfach nur Jesus zu begegnen und Zeit mit ihm zu verbringen!

Eine gute Frage, die du dir stellen kannst, ist auch: An welchen Jesus denke ich eigentlich, wenn ich bete? Denke ich an den Jesus der vor über 2000 Jahren hier als Mensch auf dieser Erde gelebt hat? Denke ich an einen Jesus, der zwar im Himmel ist, aber trotzdem irgendwie fern?

Oder denke ich an einen Jesus der mir immer ganz nah ist? Der mich schon total geliebt hat, als ich noch gar nichts von ihm wissen wollte?

Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Römer 5,8

Der Jesus, der mein ganz persönlicher Freund sein will?

Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander! Johannes 15, 13-17

Die persönliche Beziehung zu Jesus, ein Leben auf der Grundlage seiner bedingungslosen Liebe zu mir, sollte jeden Tag die Basis meines Lebens bilden.

Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe, allen, die zu ihm aufrichtig rufen. Psalm 145, 18

Ich möchte einfach Zeit mit Jesus verbringen! Er ist der Herr über mein Leben, er gibt mir alles was ich zum leben brauche und er weiß immer was das Beste für mich ist!

Ich bin mir sicher, wenn ich direkt zu Jesus durchdringe und die tiefe, persönliche Gemeinschaft wirklich jeden Tag Basis meines Leben ist, dass ich dann auch wirklich das von Jesus verheißene Leben in Fülle erlebe!

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Johannes 15, 5

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