Gestern Abend war ich mit einem alten Freund und seinen Bekannten auf einem Costo Rico - Konzert im Tollhaus in Karlsruhe.
Das dieser Abend etwas Besonderes werden würde, hätte mir allein schon an der Konstellation der Personen, mit denen ich unterwegs war, klar werden können: 2 Deutsche, eine Brasilianerin und ein Kolumbianer, die sich auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch unterhalten mussten.
Der Kolumbianer mit der Brasilianerin auf Spanisch, mein Freund mit der Brasilianerin auf Portugiesisch, mein Freund und ich auf Deutsch, Ich mit dem Kolumbianer und der Brasilianerin wiederrum nur auf Englisch.
Es war wirklich ein super Abend!
Das Konzert begann um 21 Uhr.
Ich muss zugeben, dass ich die Band Costo Rico (aus Barcelona) vorher nicht gekannt habe und nur auf Einladung meines Freundes mitgegangen war (ich hatte vorher auch andere Bedenken, da die Kommunikation auf Englisch vielleicht auch hätte sehr anstrengend werden können, doch ich wurde Gott sei Dank mal wieder eines Besseren belehrt).
Die Musik war wirklich der Hammer, die Stimme der Sängerin unbeschreiblich! Die Verständigung mit den beiden Südamerikanern wurde nach änfänglichen Anlaufschwierigkeiten auch immer besser und wir hatten an diesem langen Abend noch einige interessante und auch witzige Gespräche.
Ich liebe das Temprament dieser Menschen, wo alles so viel leichter und freier ungezwungener zu sein scheint. Irgendwann möchte ich auch einmal, zumindest für ein paar Jahre, in einem anderen Land leben.
Doch zurück zum eigentlichen Grund dieses Beitrags:
Ich muss vielleicht zuerst noch erwähnen, dass es mir auf Konzerten, und auch in Diskotheken, schon immer schwer gefallen ist, mich frei zu bewegen und einfach zur Musik zu tanzen, weil ich mich immer so beobachtet fühle.
So stand ich da nun, inmitten der Menge, und hielt mich krampfhaft an meinem Becher fest. Ich hatte gerade nun schon zum wiederholten Male die Haare der Frau vor mir im Mund Gesicht, während ich überlegte, welchen Studiengang diese Frau wohl an der Uni belegt hatte. Ich entschied mich für irgend etwas mit Biologie oder Chemie.
Ihr Abitur hatte sie aber bestimmt an einem hauswirtschaftlichen Gymnasium gemacht, und sie hatte sich fest vorgenommen, die Emanzipation der Frau weiter voran zu treiben.
Ich hielt mich also weiter an meinem Becher fest und fragte mich wieder einmal, wieso ich mich nicht einfach frei zur Musik bewegen konnte.
Ich war mir ziemlich sicher, dass all diese sich bewegenden Menschen mich in diesem Moment wieder beobachten würden und sich darüber wunderten bzw. lustig machten, dass ich der einzigste Mensch in diesem Raum war, der stocksteif vor der Bühne seinen Becher umklammerte.
Doch dann kam mir der entscheidende Gedanke:
Ja was, wenn ich mich einfach nicht bewegen will? Die Musik mag zwar gut sein, aber sie verleitet mich eben nicht zum rumzappeln! Punkt. Aus.
Dieser Gedanke sollte der Ausgangspunkt sein für meine weiteren Überlegungen.
Wer behauptet denn, dass auf einem Konzert jeder tanzen muss? Kann ich denn nicht auch aus Überzeugung stillstehen und einfach nur der Musik lauschen?
Genau das ist der Punkt! Ich versuchte einfach mal meine ganze Aufmerksamkeit nur auf die Musik zu richten und auf die Menschen um mich herum. Und taraaa, es funktionierte! Ich war plötzlich viel lockerer und konnte auch zur Musik tanzen. Weil ich es wollte, nicht weil jemand anderes es scheinbar von mir verlangte!
Mir wurde dabei aber auch bewusst, dass manchmal einfach die Mitte der Weg ist!
Wie sagt man so schön: Mann muss immer aufpassen, nicht auf der anderen Seite vom Pferd zu fallen!
Und genau das war bei mir der Fall! Ich dachte, auch wenn dass evtl. ziemlich schwer nachvollziehbar ist, dass es auf einem Konzert nur eine Möglichkeit gibt: zu Tanzen, sich zu bewegen, zu zeigen dass man frei von jeglichen Zwängen ist und die Musik geniesst! Eine andere Möglichkeit war meiner Meinung nach nicht vorhanden!
Gestern Abend durfte ich dann entdecken, dass ich genauso auch einfach nur stillstehen darf, mit Becher in der Hand, und der Musik zuhören.
Das klingt alles vielleicht sehr verrückt, aber aus meinen Beobachtungen weiss ich, dass viele Menschen offensichtlich das gleiche Problem haben:
Sie können nicht aus sich hinausgehen, fühlen sich ständig beobachtet und wollen mit ihrem Verhalten bloss keinen schlechten Eindruck hinterlassen!
Aber genau das ist meiner Meinung nach der falsche Weg!
Es ist klar, dass ich mich nicht gehen lassen kann, wenn ich meine ganze Energie bzw. Konzentration darauf verschwenden muss, bloss keine falschen Bewegungen zu starten, die evtl. einen schlechten Eindruck bei meinen Mitmenschen hinterlassen könnten.
Wie soll ich da beispielsweise bloss die Musik auf einem Konzert geniessen können?
Und überhaupt, 99% der Anwesenden nehmen wahrscheinlich den ganzen Abend überhaupt nicht wahr, dass ich da bin bzw. sie interessiert überhaupt nicht, was ich mache.
Ich gehe eher davon aus, dass wir die Menschen eher beneiden, die sich frei und ohne Zwang gehen lassen können.
Und wieso nehme ich mich selbst so wichtig und tue so, als wäre ich der Mittelpunkt des Abends?
Mir kommt da auch immer ein Wort von Paulus aus der Bibel in den Sinn:
Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen. gefallen wollte, so wäre ich Christi Knecht nicht.
(Galater 1,10)
Ein hartes Wort, aber langsam beginne ich zu verstehen, was dieses Wort in meinem Leben bedeuten kann bzw. ich merke wie es sich in meinem Leben umsetzt, wie es Wahrheit wird.
Ein anderes Wort aus der Bibel, welches direkt daran anschließen könnte und welches ich auch so immer wieder erlebe:
Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
(Johannes 8,32)
Ich frage mich gerade, wie meine Gedanken meinen Lesern von Nutzen sein sollen?
Nunja, vielleicht nutze ich meinen Blog ja zum ersten Mal auch in seinem eigentlichen Sinn, also als eine Art Tagebuch. Vielleicht hilft mir das Schreiben auch wieder nur dabei, meine Gedanken zu fassen und zu verarbeiten.
Aber eines ist hoffentlich trotzdem rübergekommen: Leute, setzt nicht eure ganze Aufmerksamkeit darauf, was eure Mitmenschen bloss von euch denken könnten, wenn ihr den Drang verspürt, Dinge zu tun die euch Spaß machen (natürlich nur wenn sie innerhalb des Gesetzes sind).
Denkt darüber nach, wieso es euch schwer fällt, manche Dinge zu tun, die ihr gerne tun würdet, aber euch wegen eurer Mitmenschen nicht traut.
Oft sind es nämlich Erfahrungen aus der Kindheit, die einem falsche Ansichten quasi anerziehen, die man dann durch andere, positive Erfahrungen erst wieder berichtigen muss.
Bin ich erst einmal frei von solchen Zwängen, dann ist es mir auch wieder ein Stück mehr möglich, mein Leben bewusst wahrzunehmen.
“Ich frage mich gerade, wie meine Gedanken meinen Lesern von Nutzen sein sollen?” hm, geht der satz nicht in die selbe richtung wie das sich krampfhaft am becher festhalten?
ich glaub es bringt nicht allzu viel, die eigenen blogpostings immer erst nutzenanalysen zu unterwerfen, weil man sowieso nicht weiß wie die leser grad drauf sind und was ihnen weiterhilft oder nicht. also ich finds cool wenn du dein blog als tagebuch benutzt… andachten sind auch cool, aber die kann man auch in büchern lesen oder sich in jugendstunden oder sonstigen veranstaltungen reintun.
es ist sicher wichtig, die notwendige selbstsicherheit zu haben, um sich nicht immer nach den vermeintlichen vorstellungen der anderen richten zu müssen. der vers aus galater geht aber noch viel weiter, als nur einen lockeren umgang gegenüber anderen menschen zu beherrschen. wenn man wirklich als christ lebt, dann kommt es zwangsläufig zu konflikten, dann fällt man auf, dann kommt man nicht darum herum tatsächlich beachtet zu werden. und ich denke dass es dann nicht mehr hilft einfach nur locker drauf zu sein, selbstsicherheit zu haben, sondern dass man sich in gott sicher fühlen muss.. völlig davon überzeugt sein muss dass das eigene verhalten so richtig ist (nach bestem gewissen gegenüber gott), egal was andere davon denken…