Gebet erleben

In meinem letzten Beitrag hatte ich ja schon kurz erwähnt, dass auch bei uns in Ettlingen JesusHouse stattfand.
Da ich jetzt auch etwas mehr Zeit dazu habe, möchte ich an dieser Stelle auch noch einen kurzen Gedanken dazu loswerden:

Speziell in der Woche von JesusHouse, aber auch schon in den Wochen davor, ist mir nämlich eines bewusst geworden, und zwar, wie erlebnisgeil wir Menschen doch geworden sind, und dabei wichtige Dinge vernachlässigen!

Was ich damit meine? Mir ist das an einem Beispiel ganz besonders bewusst geworden. Die einzelnen Gebetskreise in den Wochen vor JesusHouse waren sehr schlecht besucht, und auch während den Abenden fanden sich nie mehr als maximal 5 Leute, die während der Veranstaltung draussen gebetet haben.

Ich muss mir da auch an die eigene Nase fassen, weil auch ich nur an einem der 4 Abende, an denen ich selbst da war, draussen zum beten war.
Ich konnte das an mir selbst beobachten, dass ich mich lieber durch das Programm und die Übertragung unterhalten liess, als draussen selbst für die Teilnehmer zu beten.

Die Frage ist doch: Was machen bekehrte Christen auf einer Evangelisationsveranstaltung, wenn sie nicht selbst direkt mitarbeiten oder mit einem ungläubigem Freund oder einer Freundin da sind?
Und ich glaube schon, dass bei uns mehr Christen als Nicht-Christen im Saal saßen.

Ich möchte das an dieser Stelle nicht pauschalisieren oder sonst irgendwie verurteilen, da ich keinem den Besuch einer Evangelisation verbieten möchte, aber es lohnt sich auf jeden Fall mal darüber nachzudenken, wieso wir uns lieber unterhalten lassen, anstatt selbst aktiv zu werden.

Wieso sind wir so scharf auf sogenannte Erlebnisgottesdienste?

Ich denke das hat schon auch was mit der Entwicklung unserer Gesellschaft zu tun. Wenn man sich hier in Karlsruhe umsieht, dann sieht man ständig nur noch Menschen mit Kopfhörern im Ohr oder Handys am Ohr.

Es scheint als könnten wir die Stille oder das Nichtstun nicht mehr ertragen.

Aber müssen wir Christen da wirklich mitziehen?

Wieso sind dagegen unsere Gebetsversammlungen so schlecht besucht?

Liegt es an unfähigen Leitern, wie vielleicht C.G. Finney sagen würde? Oder unterschätzen wir die Wirksamkeit des Gebets?
Vielleicht ist der Grund auch, dass ich beim Gebet selbst aktiv sein muss, und mich nicht unterhalten lassen kann?
Eine Gebetsversammlung ist sicherlich auch nicht so attraktiv wie ein Lobpreisgottesdienst, aber beides muss vorhanden sein!

Kumpel Arne hat mir letztens von einer Dreiecksbeziehung des Menschen erzählt, mit den drei Eckpunkten nach Aussen (zu den Nicht-Christen; zur Welt), nach Oben (zu Gott) und nach Innen (zur Gemeinde).
Und bei diesen drei Punkten müssen wir uns im Gleichgewicht befinden, d.h. keiner der drei Eckpunkte darf vernachlässigt werden.
Mir fällt dabei gerade auf, dass das Gebet sogar immer gleich zwei dieser Eckpunkte miteinbezieht (entweder bete ich für die Welt (Aussen) oder für meine Gemeinde (Innen), aber immer bete ich dabei zu Gott(Oben)).

Es kann einem ja schon zu denken geben, wenn man in der Apostelgeschichte liest, dass die Apostel sogar extra neue Verantwortliche für die Diakonie berufen hatten, nur damit sie selbst nicht das Gebet vernachlässigten (Apg 6, Vers 4: Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.)!

Oder wie sehr halten wir die Aussagen von Jakobus “Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten.” für wahr?

Vielleicht brauchen wir uns nicht darüber wundern, dass sich heute vergleichsweise wenige Menschen bei JesusHouse zu Gott umkehren, wenn wir so wenig dafür beten?

An dieser Stelle aber noch einmal der Hinweis, dass ich hier niemanden verurteilen möchte oder pauschalisieren möchte, sondern ich möchte einfach wieder nur zum Nachdenken anregen.

Vielleicht muss uns das Gebet auch einfach neu schmackhaft gemacht werden, bzw. an unsere heutige Zeit angepasst werden?
Aber dazu bin ich selbst vielleicht zu konserativ. Das wäre eher eine Sache für meinen Freund Arne.

Ich denke es ist immer gut und wichtig, sich selbst zu hinterfragen.

Prüft alles und behaltet das Gute!

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2 Responses to “Gebet erleben”


  • ich hab manchmal den eindruck, dass wir mehr an uns selbst glauben als an gott. dass wir an den erfolg unserer eigenen methoden glauben, die wir toll finden und mit denen wir meinen, dass wir die menschen schon erreichen werden. wenn die organisation nur professionell genug ist, die beiträge nur unterhaltsam genug, wenn die musik mitreißend genug ist.. dann können die menschen doch gar nicht anders, als sich für gott zu entscheiden, oder?

    in solchen aktionen steckt jede menge aufwand. es braucht viel zeit und energie, eine coole veranstaltung auf die beine zu stellen.. viel geld für die musik, die ausrüstung… um den gewünschten unterhaltungswert bieten zu können. ich würde gerne gott fragen, was er davon hält.. schließlich können wir nicht nach lust und laune unsere zeit, geld und energie verpulvern, sondern wir sind als verwalter dafür eingesetzt… um das alles so gewinnbringend wie möglich für gott einzusetzen. unsere talente zu vermehren, quasi. und wir haben ein total geniales anlageberatungsbuch, das ist die bibel. wenn wir den anweisungen darin folgen, dann haben wir eine absolute gewinngarantie. aber vielleicht ist das ja mittlerweile zu unpopulär, die anlagen in gebete zu investieren… es könnte doch unterhaltsamer sein, das ganze in veranstaltungen zu stecken die spaß und unterhaltung bieten – und trotzdem evangelistisch wirken. tun sie das? ist unterhaltung überhaupt etwas, das in der bibel als mittel der evangelisation vorgeschlagen wird? das wär doch mal interessant zu prüfen.. mir fällt bei unterhaltung irgendwie als erstes die stelle mit dem goldenen kalb ein… die aktion wollte aaron damals auch als “fest für den herrn” verkaufen, aber es gefiel gott überhaupt nicht. natürlich ist es schön, als christen freude zu haben und auch mal zu feiern, aber wenn es um die entscheidung für gott geht.. dann ist das erstmal nichts was man mal eben so locker auf ner party macht, finde ich..

    wie machen das eigentlich die christen in china, bei denen sowas wie jesus house nie erlaubt würde? bei denen entscheiden sich viel mehr menschen zu gott, als bei uns… vielleicht kommt das daher, dass sie nicht so sehr in der gefahr stehen, ihre talente falsch zu investieren.. zu viele anteile in investitionen zu stecken, die mit einem hohen risiko behaftet sind, was ihre erfolgswirkung angeht. dann doch lieber auf konservative möglichkeiten zurückgreifen wie gebet und gottes wort.. wenigstens dafür beten, dass gott zeigt, was er eigentlich von mir möchte. damit er wenigstens die gelegenheit hat, die party mit dem kalb der unterhaltung noch abzusagen, ehe sie schon losgegangen ist…

  • ach ja, vielleicht wird das in meinem vorigen kommentar noch nicht so deutlich: ich finde die gedanken in deinem eintrag echt gut… alles zu prüfen, nicht nur das was man von außen so angedreht bekommt, sondern besonders auch das zu prüfen was man selbst so macht, wie man sich selbst behält.. und dann das abzugeben, was sich nicht als gut bezeichnen lässt. auf die art habe ich diesen vers noch gar nicht so bewusst gelesen.

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