Kennst du das, wenn du manchmal für etwas bittest, Gott dann umgehend antwortet, du dir dann aber wünschst, du hättest nie darum gebeten? In diesem Fall gilt dann offensichtlich nicht, “ihr empfangt nicht, weil ihr übel bittet.” (Jakobus 4,3)
Natürlich stelle ich diese Frage mit einem Augenzwinkern, und ich möchte dazu auch von einem kleinen Erlebnis berichten:
An meinem Arbeitsplatz war ich diese Woche für die Post zuständig. Das bedeutet, dass ich ausgehende Post einsammeln, frankieren und dann entweder direkt zum Briefkasten oder zur Post bringen muss (letzteres wenn es sich dabei um wichtige Dokumenten per Einschreiben handelt). So auch heute.
Mein Vorgesetzter rief mich schon Mittags an, um mir mitzuteilen das er gerade ein wichtiges Einschreiben fertig mache, dass ich noch heute zur Post bringen sollte.
Um es kurz zu machen: Im Eifer des Gefechts vergaß ich, dass es sich bei dem Brief um ein Einschreiben handelt so das ich es direkt in den Briefkasten geschmissen habe.
Zurück am College war mein Line Manager natürlich stock sauer und forderte mich auf wieder zurück zur Post zu gehen um diesen Brief wieder zu beschaffen.
Auf dem Weg dorthin hatte ich erst einmal die üblichen Gedanken. Hauptsächlich suchte ich nach möglichen Entschuldigungen wieso jeder andere außer mir für meinen Fehler verantwortlich gemacht werden konnte.
Außerdem machte ich Gott Vorwürfe: Wieso lässt du so etwas wieder zu? Ausgerechnet einen Tag vor meinem Urlaub, und so kurz vor Feierabend? Habe ich irgend etwas falsch gemacht? Bestrafst du mich für irgend etwas?
Zum Glück ist der Weg zur Post etwas länger, so dass plötzlich neue Gedanken griffen:
1. es war mein Fehler, da ich einfach nicht aufmerksam genug war. Es gibt also keinen Grund irgend jemand anderes dafür verantwortlich zu machen.
Viel wichtiger waren für mich aber einige andere gedankliche Wahrheiten:
Gott hatte diese Situation weder geschickt noch zugelassen, um mich für irgend etwas zu bestrafen. Jesus hat für alle meine Fehler schon bezahlt!
Es ist nun einmal so, dass wir “in der Welt stehen” (Johannes 17,14-18) und damit auch solchen Situationen und unserem eigenen Unvermögen ausgesetzt sind. Gott bewahrt uns nicht immer davor; aber er steht uns immer bei! Daran wird sich nichts ändern.
Und genau das wurde mir in dieser Situation bewusst. Ich konnte dann für diese Situation beten, dass die Leute von der Post den Brief noch einmal finden würden, so dass ich ihn doch noch als Einschreiben verschicken konnte.
Während dem Warten in der Post war ich dann plötzlich total ruhig und hatte totalen Frieden über dieser Situation. Ich wusste plötzlich das Gott eben für mich und mit mir hier ist und das wir den Umschlag finden würden. Und tatsächlich, er wurde gefunden und das “Problem” konnte gelöst werden!
Für was habe ich denn jetzt gebetet, was ich heute dann fast bereut hätte?:
Ich bete zur Zeit für mehr Gehorsam, dass ich nicht meine Ziele verfolge sondern Gottes Ziele.
Unvorhergesehene Probleme können mich leider sehr schnell aus der Ruhe bringen, so dass ich sehr schnell nervös udn gereizt reagieren kann. Leider heisst Gehorsam wohl aber auch, dass wir aus unserer eigenen “Komfortzone” herauskommen müssen.
Zurück am College wurde mir dann heute bewusst, wie ich tief im Herzen noch sehr an dieser “Zone” hänge. Ich möchte keine Turbulenzen erleben, sondern mein Leben in Ruhe leben. Aber wie gesagt, Gehorsam gegenüber Gott lässt sich damit nicht vereinbaren.
Und durch dieses Erlebnis heute wurde mir das noch einmal deutlich bewusst gemacht. Ich konnte den Schmerz richtig fühlen. Ich will eigentlich weiter in Frieden leben. Ich weiß aber auch, dass sich das nicht mit dem Gehorsam gegenüber Gott vereinbaren lassen wird.
Ich werde weiter für Gehorsam beten, auch wenn dieser Prozess schmerzhaft sein mag. Letztendlich ist es doch das was Gott für mich geplant hat.
Fürchte dich nicht, du kleine Herde; denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben. Lukas 12,32
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