Er nahm aber die Zwölf zu sich und sprach zu ihnen: Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles erfüllt werden, was durch die Propheten über den Menschensohn geschrieben ist; denn er wird den Heiden überliefert und verspottet und mißhandelt und verspeit werden.
Und sie werden ihn geißeln und töten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen.
Und sie verstanden nichts davon, und diese Rede war ihnen zu geheimnisvoll, und sie begriffen den Ausspruch nicht. (Hervorhebung von mir) Die Bibel – Lukas 18,31-34
Jesus nimmt hier seine Schüler zur Seite, um ihnen, zum insgesamt 3.Mal, zu erklären, dass er bald verhaftet, gefoltert, letztendlich grausam hingerichtet, doch nach 3 Tagen wiederauferstehen würde.
Damit würde geschehen, was die Propheten Gottes schon im Alten Testament, der damaligen, für die Jünger Jesu verfügbaren Bibel, angekündigt hatten.
Lukas, der Autor dieses Evangeliums, hebt am Schluß dieses Abschnitts hervor, dass die Jünger Jesu nicht kapiert haben, wovon Jesus hier spricht.
Interessant finde ich auch, dass scheinbar niemand den Mut hatte, bei Jesus deswegen nachzufragen, wie er das eigentlich gemeint hatte.
Sie glaubten mittlerweile, dass Jesus der Messias, der im Alten Testament angekündigte Retter Israels ist, der sie aus der Gefangenschaft der Römer befreien und ein neues Königreich aufrichten würde.
Und es begab sich, als er in der Einsamkeit betete und die Jünger bei ihm waren, fragte er sie und sprach: Für wen halten mich die Leute?
Sie antworteten und sprachen: Für Johannes den Täufer; andere für Elia; andere aber sagen , einer der alten Propheten sei auferstanden.
Da sprach er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Da antwortete Petrus und sprach: Für den Gesalbten Gottes! (Hervorhebung von mir) Lukas 9,18-20
Wieso haben sie Jesus dann nicht verstanden?
Es lag sicher auch daran, dass sie eine bestimmte Vorstellung davon hatten, wie der versprochene Retter Israels sein Königreich aufbauen würde.
Und er sprach zu ihnen: Was? Sie sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk; wie ihn unsere Hohenpriester und Obersten überantwortet haben, daß er zum Tode verurteilt und gekreuzigt wurde.
Wir aber hofften, er sei der, welcher Israel erlösen sollte. Ja, bei alledem ist heute schon der dritte Tag, seit solches geschehen ist. (Hervorhebung von mir) Lukas 24,19-21
Und die Vorstellung, dass der Sohn Gottes gefoltert und ermordert werden sollte, passte da einfach nicht hinein.
Die Jünger Jesu kannten die Prophezeiungen aus ihrer Bibel über Jesus, aber sie hatten diese nach ihren Vorstellungen ausgelegt, und alles was da nicht hinein passte, wurde ignoriert.
die zu den Sehern sagen: «Ihr sollt nicht sehen!» und zu den Propheten: «Weissaget uns nicht das Richtige, sondern saget uns angenehme Dinge und weissaget Täuschungen! Jesaja 30,10
Wieviel Kummer hätten sich die Jünger in den 3 Tagen zwischen Jesu Tod und Auferstehung ersparen können, wenn sie mehr auf Jesu Worte gehört hätten, anstatt die Bibel nach ihren Vorstellungen auszulegen.
Aus dieser Begebenheit können wir aber mindestens 2 Punkte für uns heute mitnehmen:
1. Wo legen wir die Bibel nach unseren Vorstellungen aus, d.h. so wie es in unseren theologischen Hintergrund passt?
Wo lesen wir die Bibel nur nach unseren Erfahrungen und Vorstellungen?
Wo lese ich und höre ich nur, was ich lesen und hören will?
Es ist sicherlich an der Zeit, meiner Meinung im Bezug auf gewisse Dinge einmal zu hinterfragen bzw. Jesus deswegen zu fragen.
Im Bezug auf meine Lebensweise? Im Bezug auf meine Meinung zu bestimmten Themen wie Homosexualität oder körperliche Heilung und Prophetie?
Die Jünger hätten Jesus damals bestimmt auch fragen können, was er denn jetzt mit dieser Aussage vonwegen Folter, Tod und Auferstehung genau meint, und Jesus hätte bestimmt geantwortet. Doch sie schwiegen.
Vielleicht auch aus Angst, ihre Meinung und ihre Glaubensüberzeugung, ihr Lebensfundament, von Grund auf revidieren zu müssen, und damit, zumindest für kurze Zeit, ein Stück (Lebens-)Sicherheit zu verlieren.
Dazu auch ein hervorragender Artikel von Martin Dreyer.
2. Wo leben wir im Umgang mit unseren Mitmenschen nur aus unserer Erfahrung, anstatt in “Echtzeit”?
Wie oft geben wir in Gesprächen allgemeine, oberflächliche Ratschläge, die nur aus unseren Erfahrungen in ähnlichen Begebenheiten resultieren, anstatt zu versuchen unserem Gegenüber wirklich zuzuhören und dann vielleicht auf Gott zu hören, was er diesem Menschen vielleicht durch mich sagen möchte?
Wie viele seelische Verletzungen und Missbrauch können dadurch entstehen, wenn man sein Gegenüber nicht ernst nimmt, sondern nur nach einem bestimmten Schema (unter dem christlichen Deckmantel) handelt.
Wie immer würde ich mich auch hier über lebhaften Austausch in Form von Kommentaren freuen!
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