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Besuch in einer charismatischen Gebetsversammlung

Vor ein paar Tagen war ich zum ersten Mal in einer Gebetsversammlung einer charismatischen Gemeinde (eigentlich ist dieser Begriff doch Quatsch, um damit eine spezielle Gemeindeform zu beschreiben, da alle christlichen Gemeinden charismatisch sind, da jede Gaben des Heiligen Geistes besitzt bzw. besitzen sollte). Wenn ich also von einer charismatischen Gemeinde spreche, dann meine ich diese Form, die manche “Charismata” besonders betonen (Prophetie, Heilung und besonders Zungenrede).

Von meiner Persönlichkeit her, und auch von meinem eigenen kirchlichen Background, stand ich solchen Gemeinden immer etwas kritisch gegenüber, und auch in ihren Gottesdiensten fühle ich mich eher fremd. Es passt für mich einfach nicht zusammen, wenn ich im Gottesdienst emotional total abgehe, dann aber im Alltag ne total trübe Tasse bin, wenn sich also mein sonntäglicher Gottesdienst so sehr von meinem alltäglichen unterscheidet. Manchmal habe ich dabei auch den Eindruck, dass die Leute sich gegenseitig durch lautes “Amen, Amen” “Ja, Jesus, Jaaa, Jesus!” hochpuschen und möglichst viele Wörter aneinander reihen, so dass man hinterher garnicht mehr weiß für was man eigentlich gebetet hat. Das nur als Einschub.

Ich war nun also das erste Mal in einer charismatischen Gebetsversammlung mit ca. 10 anderen Leuten. Zu Beginn sind wir einfach im Kreis gestanden und haben christliche Lieder gesungen. Normalerweise mach ich bei solchen Sachen schon innerlich zu, aber diesmal war es anders. Ich bete zwar nicht in Sprachen, habe auch nicht getanzt oder laut Jesus, Jesus gerufen, aber der Heilige Geist hat mich trotzdem heftig berührt! Sogar so heftig, dass mir die Tränen in den Augen standen weil ich plötzlich so bekümmert darüber war das mein Vater und mein Bruder immer noch keine Christen sind.

Gott hat mir auch einen sehr starken Eindruck für mein aktuelles Glaubensleben gegeben, worüber ich aber in einem extra Beitrag mal etwas schreiben möchte.

Was ich auch als sehr positiv empfunden habe war, dass die ganze Stimmung sehr locker und natürlich war und ich mich sehr wohl gefühlt habe. Die Gebetsversammlungen, die ich so gewohnt bin, sind da meistens sehr steif und unflexibel.

Auch hatte diese Gemeinde ein viel größeres Vertrauen in Gottes Allmacht als ich es oft habe. Auch davon kann ich mir eine dicke Scheibe abschneiden.

Ein Grund, wieso nicht-charismatische Gemeinden den charismatischen Gemeinden so skeptisch gegenüber stehen, ist vielleicht auch, dass nicht-charismatische Geistesgaben wie Zungenrede und Heilung nicht wirklich erfahren, und wenn ich es nicht haben kann, dann kann es auch nicht richtig sein.

Leider wir hier oft nur übereinander geredet als miteinander.

Man sollte meiner Meinung nach nicht alles verteufeln, wobei ich auch nicht alles gutheißen würde.

Immer noch gilt, dass wir alles prüfen und das Gute behalten sollen. Das gilt für jeden Christen, egal welcher Gemeindeform er sich zugehörig fühlt.

Christliche Gedanken: Hirtendienst in der Gemeinde

Ich habe heute ein sehr eindrückliches Bild für unsere Junge Erwachsenen – Arbeit Linie 7 bekommen.

Beim Lesen von Johannes 10, wo Jesus von sich selbst als dem guten Hirten spricht, bin ich auf Hesekiel 34 gestoßen, was nach Meinung mancher Ausleger der Hintergrund von Johannes 10 ist.

Man soll ja immer vorsichtig sein, Stellen aus dem Alten Testament, die ja ursprünglich und ausschließlich an das Volk Israel gerichtet waren, auf Heute zu beziehen. Das will ich auch gar nicht machen, aber bestimmte Verhaltensweisen des Menschen verändern sich nie.

In Hesekiel 34 weissagt Gott gegen die untreuen Hüter des Volkes Israels, also die damaligen Führungspersonen wie z.B. Könige, Priester und Propheten.

Er verurteilt sie dafür, dass sie „sich selbst weiden“ (V.2), d.h. nur nach persönlicher Bereicherung trachten (ob jetzt materiell oder geistlich) und sich nicht um die ihnen anvertrauten Menschen kümmern.

Ganz konkret wird es dann ab Vers 4:

Das Schwache stärkt ihr nicht, das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verscheuchte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht, sondern mit Strenge und Härte herrscht ihr über sie!

Und so haben sie sich zerstreut, weil sie ohne Hirten waren, und sind allen wilden Tieren des Feldes zum Fraß geworden und haben sich zerstreut.

Auf allen Bergen und hohen Hügeln irren meine Schafe umher, und über das ganze Land sind meine Schafe zerstreut; und niemand ist da, der nach ihnen fragt, und niemand, der sie sucht.

Wenn ich auf unsere Arbeit bei Linie 7 schaue, dann weiß ich, dass viele „unserer“ Schafe sich auch zerstreut haben, und dass niemand da ist, der nach ihnen fragt, und niemand, der sie sucht.

Mir fällt da auf Anhieb eine Reihe von Namen ein.

Und ich muss mich fragen, auf was ich selbst in den letzten Monaten meine Prioritäten gelegt habe?

Habe ich auf die Stimme des Feindes gehört, als er mir ins Ohr geflüstert hat: „Schone dich selbst!“?

Wo brauche ich wieder mehr Bereitschaft zum Dienen und ein offenes Auge und Ohr für meine Schafe? Für die, die schwach sind, die verwundet sind, die verscheucht oder verloren sind?

In Johannes 10 spricht Jesus selbst von sich als dem guten Hirten, der vor seinen Schafen hergeht, der sie vor der ewigen Verdammnis rettet und ihnen das Leben im Überfluss geben will.

Und in Verbindung mit Johannes 15, 4.5 liegt dann der Schlüssel für jesusmäßigen Hirtendienst:

Bleibt in mir, und ich bleibe in euch! Gleich wie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.

Jesus will durch uns der gute Hirte für seine Schafe sein.

Es ist meine Verantwortung nah an ihm und seinem Wort zu bleiben und mein Herz und meine Gedanken reinzuhalten, damit ich seine Stimme hören kann.