Dieser Text ist für mich ein Versuch eine Antwort auf die These zu stellen: Soll doch jeder glücklich werden mit dem was er für richtig hält. Wie kann ich mir herausnehmen zu entscheiden was falsch oder richtig ist?
Ein sehr interessanter Gedanke, wenn es z.B. um das Thema Erziehung geht:
Kann ich mir die Freiheit herauszunehmen zu entscheiden was in meinen Augen gut und richtig ist?
Und darf ich mit diesen Entscheidungen die Freiheit meiner Mitmenschen beeinflussen?
Dürfen sie nicht selbst entscheiden, was gut und richtig ist?
Wer gibt mir das Recht andere mit meinen Überzeugungen, was gut und richtig ist, zu beeinflussen?
Dazu folgende Antwort:
Wir alle müssen täglich Entscheidungen treffen. Niemand kann sich davor drücken.
Und wir können nicht sagen, dass wir keine Entscheidung für unseren Mitmenschen treffen möchten, da wir uns nicht die Freiheit herausnehmen möchten zu entscheiden was gut und richtig für sie ist.
Wir werden unseren Mitmenschen immer (direkt oder indirekt) beeinflussen!
Entscheide ich, beeinflusse ich ihren Weg.
Entscheide ich nicht, dann beeinflusse ich diesen auch.
Durch die Entscheidung, keine Entscheidung zu treffen, habe ich ja wieder eine Entscheidung getroffen!
Ich kann mir hier auch nicht die Freiheit herausnehmen, dass es richtig ist nicht zu entscheiden was richtig ist.
Ich werde diese Person immer beeinflussen!
Entweder versuche ich bewusst die Weichen zu stellen, oder ich lasse sie bewusst ihren eigenen Weg gehen.
Ich darf Verantwortung für meine Überzeugungen nehmen und auch nach diesen leben.
Liebe für meine Mitmenschen zeigt sich meiner Meinung nach darin, dass ich meine Mitmenschen nach meinen Überzeugungen, und mit meinen Möglichkeiten, in die Richtung lenke die ich für die richtige halte, die ihm das bestmögliche Leben ermöglicht, ohne jedoch aktiv ihre eigene Freiheit zu beschneiden.
Es ist in meinen Augen falsch, nicht für meine Überzeugungen nur um des Friedens willen ein zustehen, nur damit sich der andere für den Moment glücklich fühlt.
Was bringt es, wenn ich zwar im Moment glücklich bin, am Ende jedoch viel größeres Leid wartet, dass ich durch rechtzeitiges Eingreifen hätte verhindern können?
Das ist keine wirkliche Liebe.
Da hilft auch keine Ausrede, der andere sei ja alt und mündig genug, seine eigenen Entscheidungen zu treffen.
Damit versuche ich mich nur aus einer Verantwortung zu ziehen, aus der ich mich nicht herausziehen kann.
Wie ich oben schon erwähnt habe, wird meine Entscheidung (in den Bereichen die ich beeinflussen kann und damit auch tue) früher oder später immer Konsequenzen für meine Mitmenschen haben, auch wenn ich diese vielleicht selbst nicht mehr erleben werde.
In meinen Augen ist es dann sogar lieblos, wegen angeblicher Liebe, den anderen ins Verderben rennen zu lassen, nur weil ich vielleicht Angst habe Verantwortung für meine Überzeugungen zu übernehmen.
Kommt diese Angst vielleicht daher, dass ich selbst nicht 100% von meinen Überzeugungen überzeugt bin?
Habe ich Angst, dass ich damit vielleicht scheitern werde?
Klar kann ich nicht behaupten, dass ich richtig liege. Aber ich kann mich auch nicht vor der Verantwortung drücken.
Ich muss mich entscheiden: Schaue ich zu, wie alles seinen Gang geht und versuche mich scheinbar vor der Verantwortung zu drücken, wobei ich später doch wieder Verantwortung dafür übernehmen muss, weil ich nichts getan habe und den anderen nicht vor seinem Unheil bewart habe?
Oder versuche ich die Dinge zum Guten zu verändern, mit der Gefahr zu versagen und meine Überzeugungen vielleicht revidieren zu müssen?
Was ist schlimmer?
Meinen Mitmenschen das machen zu lassen was er für richtig hält und dann zu sehen das er ins Verderben rennt?
Oder aktiv etwas zum Guten zu verändern, mit der Gefahr falsch gelegen zu haben?
Einem Drogenabhängigen werde ich versuche zu helfen, weil er sich offensichtlich zu Grunde richtet.
Doch was ist mit einer Kommilitonin, die zu faul ist ihre Ausarbeitung rechtzeitig zu beginnen?
Wo setze ich da die Grenzen?
Lasse ich sie abschreiben, nur damit sie das nächste Mal wieder zu spät mit der Ausarbeitung beginnt?
Helfe ich ihr nicht und lasse sie damit bewusst scheitern?
Wer trifft hier die Entscheidungen bzw. kann sich hier vor der Verantwortung drücken?
Ich muss entscheiden, und zwar nach meinen Überzeugungen.
Lasse ich sie ihren Weg gehen und sie abschreiben, dann beeinflusse ich sie damit eben auch.
Meiner Überzeugung nach wäre diese Entscheidung z.B. die falsche.
Also lasse ich sie nicht abschreiben und versuche damit ihre Weichen in die Richtung zu stellen, die ich für richtig halte.
Darf ich mir diese Entscheidung herausnehmen?
Ja, denn so oder so beeinflusse ich ihren Weg. Und mit dieser Entscheidung greife ich trotzdem nicht in ihre persönliche Freiheit ein.
Und ich stehe zu meinen Überzeugungen, und nehme das Risiko auf mich auch falsch damit zu liegen.
Das ist für mich nicht lieblos, im Gegenteil!
Ich möchte lieber aktiv versuchen etwas zum Guten zu verändern, anstatt passiv alles seinen Gang gehen zu lassen.
Woher ich meine Überzeugungen nehme, ist natürlich wieder eine andere Sache. Doch darauf möchte ich in diesem Post bewusst nicht eingehen.
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